Die klimaschädlichsten Meiler stehen in Deutschland

Eigentlich hatte sich die neue Ampelregierung in Sachen Kohlestrom ambitionierte Ziele gesetzt. So sollte der vollständige Ausstieg nach Möglichkeit um bis zu acht Jahre vorverlegt werden. Der letzte Meiler wäre dann schon im Jahr 2030 vom Netz gegangen. Inzwischen haben sich die politischen Prioritäten aber verschoben. Im Fokus steht nun, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Was das für die Kohlekraftwerke in Deutschland bedeutet, steht noch nicht endgültig fest. Ein Blick in das vergangene Jahr zeigt aber: So wirklich vorbildlich war die Bundesrepublik in Sachen Kohlestrom auch schon vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine nicht unterwegs. So kam eine Auswertung der britischen Firma Ember zu dem Schluss, dass sieben der zehn klimaschädlichsten Kohlekraftwerke in Europa in Deutschland stehen. Der Ausstoß hat sich zudem im vergangenen Jahr keineswegs verringert, sondern sogar erhöht. Für die Klimaziele der Bundesregierung ist dies keine gute Nachricht.

Kohle
Foto: Coal power-plant and oilseed rape, martin, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der klimaschädlichste europäische Meiler steht in Polen

Gewonnen wurden die Daten mithilfe des europäischen Emissionshandels. Hier müssen die Firmen Zertifikate kaufen, wenn sie CO2-Emissionen verursachen. Im Umkehrschluss lässt sich aus den gekauften Zertifikaten dann aber eben auch ablesen, wer wie viele Klimaemissionen verursacht hat. Hier schnitten die deutschen Kraftwerke alles andere als gut ab. Den Titel als klimaschädlichstes Kohlekraftwerk in Europa erhielt zwar der polnische Meiler Belchatow. Gleich danach folgten aber die Anlagen in Neurath und Niederaußem. Beide werden von RWE betrieben. Dies ist nicht uninteressant. Denn in der Öffentlichkeit versucht der Konzern schon seit längerem, sich ein grüneres Image zu verpassen und wirbt vor allem mit Erneuerbaren Energien. Gleichzeitig haben alleine die Emissionen im Kohlekraftwerk Niederaußem um 36 Prozent zugelegt. Dieser Wert ist natürlich mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, weil er durch die Corona-Pandemie beeinflusst ist. Dennoch wird hier klar, dass man von einem Kohleausstieg noch weit entfernt ist.

Deutschlands Strommix ist im EU-Vergleich eher klimaschädlich

So war Deutschland im vergangenen Jahr gemeinsam mit Polen für 53 Prozent der CO2-Emissionen im europäischen Stromsektor verantwortlich. Man kann dies allerdings auch ein bisschen positiver deuten: Sollte es der Ampelkoalition tatsächlich gelingen, den Kohleausstieg zu beschleunigen, würde dies auch die gesamteuropäische Klimabilanz deutlich verbessern. Möglich wäre dies nur durch einen weiteren massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien. Tatsächlich hat Wirtschaftsminister Robert Habeck hier bereits eine ambitionierte Gesetzgebung auf den Weg gebracht. Wie diese sich in der Praxis bewährt, muss sich aber zunächst noch zeigen. Je größer der Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Strommix dann wird, desto stärker könnten Kohlekraftwerke in den Hintergrund rücken. Schon jetzt scheint aber klar: Als Reserve und Sicherheitspuffer werden die Kraftwerke wohl noch deutlich länger benötigt als ursprünglich einmal gedacht.

Via: Der Spiegel

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