Werden künftig keine Rotorblätter mehr in Deutschland produziert?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck drückt aufs Tempo: Um möglichst schnell unabhängig von fossilen Energieimporten zu werden, hat er das sogenannte Osterpacket vorgelegt. Darin ist auch ein Ausbau der Windenergie in Deutschland enthalten. So sollen bis zum Jahr 2030 neue Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 110.000 Megawatt entstehen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Zubau bei lediglich 2.000 Megawatt. Der Minister berichtete aber, dass in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Zahl der Genehmigungen bereits zugelegt habe. Weil aber auch andere Länder die Windkraft massiv ausbauen möchten, droht ein Engpass in Sachen Produktion. Nimmt man den stark abgeschotteten chinesischen Markt aus der Rechnung heraus, wurden weltweit im vergangenen Jahr nur Anlagen für eine Kapazität von 12.700 Megawatt produziert. Zukünftig könnte also eine stark steigende Nachfrage auf ein vergleichsweise knappes Angebot treffen – was in aller Regel für steigende Preise sorgt.

Wind turbine farm against distant mountains (3d graphic)

Die Produktion im Ausland ist für das Unternehmen preiswerter

In solchen Situationen sind zumeist die Länder am besten aufgestellt, die über eigene Produktionskapazitäten verfügen. Genau diese scheint Deutschland aber nach und nach zu verlieren. Neuestes Beispiel dafür: Das Werk der Firma Nordex in Rostock. Dort werden aktuell Rotorblätter für Windräder produziert. Das Management will den Standort aber noch dieses Jahr schließen. Begründet wird der Schritt zum einen mit dem technischen Fortschritt: Zukünftig werden größere Rotorblätter benötigt, die in Rostock nicht gebaut werden könnten. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn das Unternehmen verzichtete schlicht auf entsprechende Investitionen in Deutschland und baute stattdessen die Fertigung in Indien und Brasilien aus. Dies wiederum wurde mit dem harten Preiswettbewerb in der Branche begründet. Aus Sicht des Unternehmens ist dies nicht ganz unplausibel – immerhin fuhr man in den vergangenen Jahren jeweils Verluste ein und die Bestellungen kamen zumeist ohnehin aus dem Ausland.

Die Solarindustrie ist bereits nach Asien abgewandert

Für den Standort Deutschland stellt die Entwicklung aber eine Gefahr dar. Denn auch die Logistikkosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Riesige Rotorblätter aus Indien oder Brasilien nach Deutschland zu verschiffen, ist daher kein preiswertes Vergnügen. Der geplante Ausbau der Windenergie könnte sich dadurch deutlich verteuern. Minister Habeck hat sich daher bereits mit der Energiewirtschaft getroffen und über die heimische Produktion gesprochen. Verhindert werden soll ein Szenario wie bei der Solarenergie. Diese stellte einst einen boomenden Wirtschaftszweig in Deutschland dar, wanderte anschließend aber fast vollständig nach Asien ab. Habeck will diesen Trend bei der Windkraft daher nun stoppen und scheut auch vor staatlichen Hilfen nicht zurück. Im Gespräch sind etwa verbilligte Kredite und Bürgschaften. Selbst direkte staatliche Beteiligungen erscheinen denkbar. Ob dies ausreicht, um die Produktion im Land zu halten, bleibt allerdings abzuwarten.

Via: taz

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Reference-www.trendsderzukunft.de

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