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Wie funktioniert die Koexistenz zwischen Windrädern und Zugvögeln?

Wie funktioniert die Koexistenz zwischen Windrädern und Zugvögeln?

Wind- und Sonnenenergie sind tragende Säulen der Energiewende. Allerdings gibt es im Bereich Windkraft immer wieder Kritik von Naturschützern. Die Sorge (und Realität) ist, dass Vögel und andere fliegende Tiere wie etwa Fledermäuse mit dem Rotorblättern von Windrädern kollidieren können. Forscher:innen des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie sowie der englischen University of East Anglia haben in zwei Studien GPS-Daten zum Flugverhalten verschiedener Vogelarten gesammelt, die immer wieder mit Windrädern kollidieren. Ziel der Studien ist, Daten zu liefern, die einen sicheren Ausbau erneuerbarer Energien ermöglichen, der so wenig Auswirkungen auf die Tierwelt wie möglich hat.

Windenergie gefährdet Zugvögel

Die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien beschäftigt aktuell Nationen auf der ganzen Welt. Bis 2050 soll die europäische Windenergiekapazität Onshore, also an Land, sich fast verfierfachen. Und auch andere Länder arbeiten hart daran, den Anteil der Windenergie an der Stromversorgung zu erhöhen. Dass dies Auswirkungen auf die Tierwelt haben wird, ist kaum zu bestreiten. Allerdings lassen sich diese Auswirkungen minimieren.

Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass es mehr geeignete Standorte für den Bau von Windrädern gibt, als wir für eine klimaneutrale Energieerzeugung benötigen. Wenn wir die Risiken für die Biodiversität wie zum Beispiel das Kollisionsrisiko für Vögel in einem frühen Stadium des Planungsprozesses besser einschätzen können, können wir die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Tierwelt begrenzen und gleichzeitig unsere Klimaziele erreichen„, so Jethro Gauld, der als Doktorand an der School of Environmental Sciences an der University of East Anglia beschäftigt und einer der Hauptautoren der Studie ist.

Forscher:innen identifizieren Hotspots

Mit einem internationalen Team von 51 Forscher:innen aus 15 Ländern, an dem auch Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz beteiligt waren, hat in Europa Hotspots identifiziert, in denen Vögel außergewöhnlich empfindlich auf den Bau von Windrädern oder Stromleitungen reagieren würden. Dafür wertete das Team GPS Daten von 1.454 Vögeln aus insgesamt 27 Arten aus. Dabei konzentrierten sich die Forscher:innen auf große Segelflieger wie etwa Weißstörche. Besonders gefährlich sind Vögel wie Löffler, Uhus, Singschwäne, iberische Kaiseradler und besagte Weißstörche besonders gefährdet, da sie sich besonders häufig in einem Höhenband aufhalten, in dem es zu Kollisionen kommen kann.

„Die GPS-Ortung liefert sehr genaue Daten über den Standort und die Flughöhe, die durch direkte Beobachtung nicht ermittelt werden können, vor allem nicht über große Entfernungen„, so Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. Erstmals wurden in der Studie GPS-Daten derart vieler Vogelarten zusammengeführt. Die Daten zeigen, dass das größte Risiko entlang der Zugrouten entlang der Küsten sowie in der Nähe von Brutplätzen herrscht. Der Bau neuer Windkraftanlagen sowie von Hochspannungsleitungen sollte daher in derart hochsensiblen Gebieten so weit wie möglich reduziert werden.

Schwarzmilane weichen Windrädern aus

Ein weiterer Fokuspunkt der Forscher:innen waren Erkenntnisse zur Verbesserung der Planung der Energieinfrastruktur. „Mit der GPS-Ortung können wir genau verstehen, wie sich die Vögel verhalten, wenn sie in die Nähe der Turbinen fliegen. Zu wissen, wie nah sie fliegen und ob Wind oder andere Faktoren ihr Flugverhalten beeinflussen, kann dazu beitragen, die Kollisionsrate zu verringern, denn so können neue Windparks entsprechend geplant werden„, so Carlos Santos vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie .

In einer zweiten Studie haben die Forscher:innen die GPS-Daten von 126 Schwarzmilanen beim Anflug auf die Windkraftanlagen untersucht und ausgewertet. Diese Greifvögel überfliegen bei ihrem Zug die Straße von Gibralter, wo ein Hotspot sowohl für den Vögelzug als auch für Windparks liegt.

Die Daten zeigten den Forschern, dass die Schwarzmilane nicht direkt bis zu den Winkraftanlagen fliegen, sondern bereits in einem Kilometer Entfernung beginnen auszuweichen. „Die Vögel erkennen also die Gefahr, die von den Windkraftanlagen ausgeht, und halten einen entsprechenden Sicherheitsabstand zu ihnen ein„, so Santos. Derartige Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Regionen zu identifizieren, in denen Windparks die Zugvögel so wenig wie möglich gefährden würden.

via Max-Planck-Gesellschaft

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Reference-www.trendsderzukunft.de

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